Unsere 3 Fragen an Silvia Deichmann-Seidel...

Silvia Deichmann-Seidel ist Dipl.-Sozialpädagogin bei der Fachstelle Kinderrechte in der Kindertagesbetreuung sowie beim Kinderschutzbund Gießen e.V. und hat praktische Erfahrung in einer interkulturellen basisdemokratischen Kita.

Sie ist als Fortbildnerin in Demokratiepädagogik und frühe Kindheit sowie als BEP-Multiplikatorin in den Bereichen Kinderrechte, Partizipation und Demokratiebildung tätig. Sie ist außerdem Beiratsmitglied im Bundesprojekt „Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung“.

  • Deichmann-Seidel, was bedeutet für Sie persönlich “Demokratie”?

Ich bin froh in einer Demokratie zu leben, damit meine ich zunächst unsere Staatsform. Diese achtet die Würde der Menschen (jedes einzelnen) auf Grundlage der Menschenrechte und bietet die Möglichkeit der Mitbestimmung u.a. durch freie und geheime Wahlen und durch Meinungsfreiheit. Die Menschen-rechte sichern demokratische und würdevolle Werte, z.B. Nicht-Diskriminierung, Meinungsfreiheit, Gesundheit, Gewaltschutz u.a.
Aber Demokratie kann mehr sein als eine Regierungsform. Mit den Worten Deweys: „Demokratie ist mehr als eine Regierungsform, sie ist in erster Linie eine Form des Zusammenlebens, der gemeinsamen und untereinander geteilten Erfahrung.“
Dieses Zitat begleitet mich sehr lange und ich teile den Gedanken, dass die gemeinsamen Erfahrungen wichtig sind, um die demokratischen Werte anzuerkennen und umzusetzen/ zu leben.
Und das von klein auf.

  • Was macht für Sie eine demokratische und diversitätsbewusste Kita aus?

Auch hier stütze ich mich gerne auf ein Zitat von Dewey:
„Demokratie“, sagte er, „muss in jeder Generation neu geboren werden, und Erziehung“, fügte er pointiert hinzu, „ist ihre Hebamme.“
Eine demokratische und diversitätsbewusste Kita setzt sich auseinander mit der Würde von Menschen/ Kindern und deren gesetzlichen Grundlagen, z. B. den Kinderrechten. Und hier geht es wieder darum, Würde und Kinderrechte gemeinsam zu erfahren und zu leben.
Dabei muss gut und einzeln geschaut werden, wie jede Kita oder Kindertages-pflege-Stelle einen Zugang dazu findet und einen Weg, die Kinderrechte zu leben und ganz wichtig, den Kindern zu vermitteln. Kinder müssen erfahren, dass sie Rechte haben, denn die Rechte werden ihnen nicht zugestanden.
Wichtig ist dabei insbesondere auch die Haltung der einzelnen Fachkräfte und des gesamten Teams. Kinderrechte leben und bekannt machen müssen alle zusammen. Dabei können biografische Reflexionen und der Austausch über (demokratische) Werte in der Kita helfen und weiterführen.

  • Wie kann eine kinderrechtebasierte Demokratiebildung in der Kindertagesbetreuung gut gelingen? Welche Rahmenbedingungen braucht es dazu?

Eine kinderrechtebasierte Demokratiebildung kann gelingen, wenn das Team sich gemeinsam auf den Weg macht und Kinder und Eltern partizipativ gut einbindet. Der individuelle Weg jeder Kita kann ein Gelingensfaktor sein, denn es gibt nicht die Methoden, die für alle Kitas gut passen. Kinderrechtebasierte Demokratiebildung sollte immer einrichtungsbezogen konzipiert werden und Fachberatungen und Träger sollen dabei gut unterstützen und die Rahmenbedingungen mitgestalten.

Das Gespräch wurde im Dezember 2024 geführt

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